Istanbul – 1001 Baklava

«Çok yaşayan bilmez, çok gezen bilir.»
Bedeutung: Erkunde die Welt und lerne Neues! Sie bringt dir mehr bei, als alle Bücher.

Was für ein passendes Sprichwort – über welches wir «gstörchelt» sind.

Istanbul ist so ganz anders, als wir uns das vorgestellt haben. Nach der absoluten Ruhe und Gemächlichkeit auf den Seychellen erwartete uns ein «verrücktes» Istanbul. Schon in der Früh thront sie pulsierend und märchenhaft über dem Bosporus. Obwohl Ankara die neue Hauptstadt ist, bleibt Istanbul wirtschaftlich und kulturell die größte und wichtigste Stadt der Türkei.

Modern, fesselnd, bunt – nein kunterbunt. Die türkische Metropole lässt staunen und begeistert. 15 Millionen Menschen, islamischer Tradition und moderner Metropole, buntes Stadtgewirr. Istanbul ist so unglaublich interessant und fesselnd – die einzige Stadt der Welt, die auf zwei Kontinenten liegt – nur geteilt durch den Bosporus. In Istanbul kann man so viel sehen und erleben, dass es locker für mehr als eine Woche reichen würde.


Shopping und Sightseeing | 23. – 25. Juni 2021

Nach einem Nachtflug von den Seychellen nach Istanbul kamen wir doch etwas «verkrügelt» an. Nach einem längeren «Power Nap» machten wir uns auf zu einer Shopping Mall. Wir brauchten neuen Schwung in unseren Kleidersack und einige Stücke haben durch die diversen Waschsalons doch arg gelitten. Und schliesslich wollten wir uns doch auch ein wenig «chic» auf die Pirsch machen, wenn wir Konstantinopel – wie die Stadt noch bis 1930 hiess, erkundschafteten.

Am Mittwochmorgen machten wir uns auf in die Altstadt – welche kulturelle Einflüsse zahlreicher Reiche widerspiegle. Im römischen Freiluft-Hippodrom auf dem «Sultan-Ahmed-Platz», wurden mehrere Jahrhunderte lang Wagenrennen im antiken Konstantinopel ausgetragen. Auch «ägyptische Obelisken» sind noch erhalten. Die berühmte byzantinische «Hagia Sophia» weist eine hohe Kuppel aus dem 6. Jahrhundert und seltene christliche Mosaike auf. Diese war von 1935 bis im Juli 2020 ein Museum und seit dem 24. Juli 2020 wieder die Hauptmoschee der Stadt. Die Moschee ist für alle Besucher, egal welcher Religionszugehörigkeit, zugänglich. Die «Sultan-Ahmed-Moschee», bei uns auch als «Blaue Moschee» bekannt, ist sehr beindruckend – wenn auch im Moment eingerüstet. Die Moschee hat sechs Minarette, aber wieso eigentlich? Wie der Hofchronist schrieb, hatte der Sultan bei der Auftragsvergabe vom Architekten verlangt, die Minarette zu vergolden. Da das aufzuwendende Blattgold aber das ihm vorgegebene Budget vollkommen überschritten hätte, «verhörte» sich «Mehmet Ağa» und machte aus dem türkischen Wort «altin» (Gold) die Zahl «alti» (sechs). *Luscheib das* Der «Kapalı Çarşı» – zu deutsch «Grosse Basar» genannt, ist ein Geschäftsviertel, welcher sich über 31’000 m2 erstreckt und zirka 4’000 Geschäfte mit verschiedensten Angeboten aller Art beinhaltet . Immer der Nase entlang ging es zum «Ägyptischen Basar» – auch «Gewürzbasar» genannt. Er ist bekannt für sein Meer an Düften und Farben. Der orientalische Gewürzmarkt schlechthin. Neben verschiedensten Gewürzen ist jener reich an getrockneten Früchten, Nüssen, Teesorten bis hin zu Ölen und Essenzen. Auch findet man eine Vielzahl von Textilwaren, Souvenirs und wunderschönen Orientlampen. Wir tauchten in dieses farbenfrohe und wohlriechende Erlebnis von 1001 Nacht ein. Direkt nach der Überquerung der «Galata Brücke» thront links auf der historischen Halbinsel unübersehbar die «Neue Moschee» oder «Yeni Valide Camii», deren Fertigstellung dauerte 66 Jahre. 

Ela’s Plan war, diesen Ausflug als «Streetfood»-Tag kulinarisch zu unterstreichen. Das reichhaltige Frühstücksbuffet im «Clarion Hotel Golden Horn» – welches wie der Name schon sagt, direkt am Golden Horn und vis-à-vis vom «Miniatürk» liegt war so füllend, dass bis zum Mittagessen keine Chance bestand, ordentlich reinzuhauen. Mittags gönnte sich Seebi einen Kebab. Ela – die kein Lamm auf dem Teller mag, wich auf ein Pide aus. *OMG* – was für eine Portion. Und leider blieb dann kein Platz mehr für andere Leckereien. Aufgeschoben war ja zum Glück nicht aufgehoben.

Abends ging es hoch hinaus. Mit der Seilbahn – für 70 Rappen. Ja also die Wartezeit war in der Tat länger als die Fahrt auf den «Pierre Loti Hügel». Dieses Highlight ist nicht nur bei Touristen sehr beliebt, auch die einheimischen zieht es an. Dieser Hügel ist nach dem Schriftsteller «Pierre Loti» benannt. Aus dem Fenster der Gondel erhascht man einen Blick auf die ersten Grabsteine des Friedhofs, einer der wenigen direkt in der Innenstadt, welcher noch erhaltenen ist. Historische Gräber reihen sich am Friedhofshügel direkt neben zeitgenössischen Grabsteinen. Unter anderem findet man das Grab von «Fefzi Cakmak» – der einzige Marschall der Türkischen Republik.

Den Sonnenuntergang und den Blick von der Terrasse oberhalb der Seilbahnstation reicht vom Goldenen Horn, zum Bosporus bis hinüber auf die asiatische Seite – und das war ja auch der Hauptgrund, weshalb wir uns geduldig in die «laute» Warteschlange stellten.


Wellness und Bosporus-Bootsfahrt | 26. Juni 2021

Ganz gemütlich starteten wir in das Wochenende. Zuerst gönnten wir uns ein «Hamam». Der Hamam ist auch unter dem Namen «Türkisches Bad» oder «Orientalisches Bad» bekannt und ist in der Türkei ein wichtiger Bestandteil der orientalischen Bade- und Körperkultur. Denn schliesslich wollten wir abends gut duftend auf der gebuchten «Bosporus Dinner Cruise & Türkische Nachtshow» erscheinen. Wir waren den ganzen Tag voller Vorfreude.

Was auf der Broschüre stand – kurz zusammengefasst:
Setzen Sie bei dieser abendlichen Kreuzfahrt die Segel auf dem Bosporus und erleben Sie Istanbul von seiner stimmungsvollsten Seite, während Sie an der beleuchteten Skyline der Stadt vorbei fahren und Sehenswürdigkeiten wie den Dolmabahçe-Palast, die Bosporus-Brücke und den Leanderturm bewundern. Geniessen Sie an Bord ein 3-Gänge-Abendessen sowie eine Vielzahl von Unterhaltungsangeboten.

Was wir uns vorstellten:
Einen weiss gedeckten 2er-Tisch, von uns auch mit Plastikrosen geschmückt, romantische, stillvolle Musik im Hintergrund – eine kleine, traditionelle Showeinlage von Bauchtänzerinnen. Einen leckeren Fisch und die Skyline der Stadt bei Sonnenuntergang.

Wie es war:
Der Anlass ähnelte einer türkischen Hochzeit. *läckbobi* haben wir uns einen «abgegröllt», während wir uns über den Gemeinschafts-Tisch anschrien – denn der DJ nahm seinen Job ernst. Der staubtrockene Fisch wurde mit Wasser aus dem Becher runtergespült und die Showeinlagen der «wirbelnden Derwische» sowie «Bauchtänzerinnen» war mehr als amüsant. Als dann die Tanzfläche «freigegeben» wurde – *omg* war es noch eine Spur vergnüglicher als zuvor. Die anderen Gäste rockten mit super kurzem Mini-Rock oder Avocado-Pyjama die Bühne. Um Mitternacht waren wir dann wieder zu Hause und wir konnten unseren Bauchmuskeln eine Verschnaufpause gönnen.


«Verschläckter» Sonntagsspaziergang | 27. + 28. Juni 2021

Am Sonntag machten wir uns auf in die Stadt – denn wir hatten noch nicht annähernd alles gesehen, was wir uns vorgenommen hatten. Wir starteten auf dem «Taksim Platz», welcher für sich alleine schon eine Sehenswürdigkeit ist. Er ist einer der lebendigsten Orte Istanbuls. Strassen aus allen vier Himmelsrichtungen treffen hier aufeinander. Kurz und gut, der Taskim-Platz lebt – und das ständig, egal zu welcher Uhrzeit. Auf dem Platz gab es natürlich auch die Gelegenheit, ein «Simit» zu «schnousen». Simits sind ringförmige Sesamkringel aus Hefeteig mit Sesamkörnern. Seine Ursprünge gehen etwa 500 Jahre zurück. Es wäre ja eine Schande, die Stadt ohne diese Leckerei probiert zu haben, wieder zu verlassen. Gestärkt ging es weiter – aber auf dem Weg zur Unabhängigkeitsstrasse «İstiklâl Caddesi», wartete die nächste Versuchung auf uns. Ein paar «Baklavas» und einen türkischen Tee «Cay» später – flanierten wir eine der bekanntesten Strassen Istanbuls entlang. Die Strasse ist erst seit Anfang der 1990er eine Fussgängerzone und tagsüber eine Einkaufsstrasse und nachts Zentrum des Nachtlebens. Seebi der Schlingel wusste schon, weshalb wir genau am Sonntag diese Strasse auf dem Programm hatten. Auch das Museum «Madam Tussaud» befindet sich dort. Da man ohne anzustehen das Museum besuchen konnte – gönnten wir uns ein bisschen Glanz zwischen all den Stars und Sternchen.

Im Allgemeinen hat Istanbul wundervolle Strassen und Gassen zu bieten. Die «French Street» oder aber auch die «hippe» «Hoca Tahsin Street» haben wundervolle Cafés, Bars und Restaurants. Kunst wird in Istanbul hoch geschrieben. Kaum eine Wand ist ohne farbenfrohe «Street-Art» geschmückt.

So viele Eindrücke machen aber auch hungrig und es musste ein Maiskolben «Misir» her. Diese sind einfach zu finden: Erblickt man von Weitem eine kleine Rauchwolke über einem Essensstand, dann ist man goldrichtig. Kaum fertig geknabbert, gönnten wir uns einen frisch gebrühten türkischen Mokka. Wir möchten hier erwähnen, dass wir an solchen Tagen gerne Kamele wären. Also Seebi lieber ein Dromedar. *bigsmile* Dann könnte man den ganzen Tag essen und essen und essen – und würde dann ein anderes Mal wieder fasten. Item. Da der «Kahvesi», wie ihn die Türken nennen, für unsere Verhältnisse sehr bitter schmeckt – mussten wir diesen «verfeinern» – und was eignet sich da besser als ein Baklava. So – und dann war das Street Food-Projekt fürs erste Mal beendet und wir sind nachhause «gerugelt». Abends war uns zwar ein bisschen «trümlig» vom vielen Zucker – aber das steckten wir ganz gut weg.


Türkisch für Anfänger | 29. Juni 2021

Da Seebi es satt hatte, auf türkisch angesprochen zu werden *bigsmile*– wurde sein Bart «gestutzt»! Und Istanbul ist ja sozusagen das Mekka von «Berber Shops» schlechthin. Auf türkisch heisst es wirklich Berber und nicht Barber – so wie bei uns. Im Allgemeinen findet Ela die türkische Sprache sehr einfach und überlegt sich, anstelle von englisch neu türkisch zu lernen. Live Müzik, Tünel, Kuaför, Türban, Şnorkel, Köri, Lümpen, Tonmayster, Otopark, Döpiyes, Polis, Süpermarket, Randevu, … – ganz einfach, oder?

Ela schnappte sich den flotten «Burst» beim Berber auf und dann ging es «nostalgisch» weiter. Der «Tünel» ist eine unterirdisch verlaufende Standseilbahn. Diese gilt mit ihrer Eröffnung im Jahr 1987 als die älteste dauernd bestehende Standseilbahn Europas, da die ältere «Budavári Siklóin» in Budapest zeitweilig ausser Betrieb war. Sie gilt nach der «Londoner Underground» als zweitälteste U-Bahn der Welt. Haltet euch fest. Die Bahn steigt in einer parabolischen Kurve 61.55m in die Höhe und die Fahrt der 606.5m dauert gerade mal 90 Sekunden. Eine U-Bahn ist sie nur in dem Sinne, dass sie unterirdisch geführt wird – die Antriebstechnik ist die einer reinen Standseilbahn und sie gilt als eine der kürzesten U-Bahnen der Welt. *jo was*– Die Fahrt war trotzdem ultra, retro cool.

«Sodelig» – und dann kommen wir noch zum nächsten Highlight. Muss man sich als «verfressen» bezeichnen, wenn man 4 km unter die Füsse nimmt, nur um «Midye Dolma» zu essen? Ela konnte ja auch nichts dafür, dass es die besten gefüllten Muscheln beim «Midyeci Ahmet» zu geniessen gibt. Er nennt sich im übrigen ganz bescheiden: Lord of Mussels!! Und zudem gab es ja noch einiges abzutrainieren. Das Dessert waren dann noch ein paar «leichte» Maronis und somit war die «to eat»-Liste runtergeschlemmt.


Weiterreise | 29. Juni 2021

Wie heisst es so schön: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!!

Eigentlich wären wir ja nach Washington D.C. geflogen. Die Betonung liegt auf dem «wären». Wir flogen via Istanbul nach Frankfurt am Main. Und dann ging das Theater los. Wir zwei in der Hauptrolle. Als wir in das Flugzeug nach Washington steigen wollte, wurde uns der Eintritt verwehrt, da wir deutschen Boden betreten haben. Für die USA gilt der Transitbereich als so richtig-richtig «betreten» und somit durften wir nicht mehr in die USA einreisen (Reisende, welche sich die letzten 14 Tagen im Schengen-Raum aufgehalten haben, dürfen auf Grund Covid-19 momentan nicht in die USA einreisen). Leider steht nirgends geschrieben, dass für die Amerikaner der Transitbereich auch als Schengen-Raum gilt und die Turkish Airlines hätte uns in Istanbul schon gar nicht ins Flugzeug steigen lassen dürfen. Unerwartet gelassen nahmen wir diese Info entgegen. Aber der «Nussgipfel» war dann – als Ela’s Gepäck am Frankfurter Flughafen nicht auf der Gepäckausgabe ankam. Nur der da oben weiss weshalb. Denn hier auf Erden war es niemand und keiner trägt die Verantwortung. Aber es kursierten, im Nachhinein, lustige Informationen. Von beschlagnahmt wegen einem hoch explodierenden Gerät bis über gefälschte Ware. Ja vielleicht war der Sony-Lautsprecher neben dem gemahlenen türkischen Kaffee zu viel «Sprengstoff». Die Lage wurde jedoch nach dem Besuch bei der Deutschen Bundespolizei entschärft – sie hatten nie eine Meldung. Puh. Der Rucksack blieb verschwunden, dafür Ela geladen. Nach drei Tagen «Ping-Pong» zwischen der United Airlines und der Turkish Airlines waren wir gezwungen, alles neu zu besorgen. «Help yourself». Ja die ersten beiden Juli-Tage fallen definitiv unter die Kategorie «Kampf-Shoppen». Es bleibt spannend, ob der winzige Rucksack mit einem Fliegengewicht von knapp 22 Kilo irgendwo in einer Ecke zum Vorschein kommt.

Jedenfalls haben wir nun unser Programm umgestellt und sind ganz Öko mit der Bahn unterwegs. Wir «krömleten» uns ein Interrail Ticket und machen nun Europa für die nächsten drei Monate bequem per Zug unsicher. Erstes Ziel: Berlin. Uns wird ganz bestimmt nicht langweilig – so viel steht fest. In dem Sinne…

«Güle güle» – und nein, das heisst nicht das, was ihr jetzt denkt – so einfach ist es dann doch nicht. Auf wiedersehen ihr Lieben, geniesst den Sommer.

Dröööckerlis
Ela & Seebi

Ein Kommentar zu “Istanbul – 1001 Baklava

  1. Na ihr zwei?

    Mit Verlust müsst ihr immer wieder mal rechnen, meistens bleibt es aber bei dem einen Mal. In Istanbul war ich schon zweimal. Die verschiedenen Welten in einer ganzen Stadt verpackt sind eindrücklich und auch kleine Memorys für mich. Im Herbst 2019 war ich zum letzten Mal Dort. Vielen Dank für den schönen Beitrag auch von Peter.

    Wir wünschen euch viele kleine und grosse Abenteuer auf dem Europatrip und auf bald wieder.

    Knuddel

    Vera und Peter

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