Zagreb, Budapest, Wien – märchenhaft

In einem Dorf namens Adligenswil wohnte die Bauerntochter Ela mit ihrem Prinz Seebi. Sie lebten glücklich – doch die beiden träumten nachts heimlich von der grossen, weiten Welt. Sie nahmen allen Mut zusammen und haben sich an einem Sommermorgen dazu entschieden, aus ihrem Schloss auszubrechen und zu Pferd – mit lediglich ein paar wenigen Habseligkeiten – die Welt auf eigene Faust zu entdecken. Nach langer, langer akribischer Vorbereitungszeit machten sie sich über Stock und Stein auf – und tauchten ein, in die märchenhafte Welt von Zagreb.


Zagreb – die charmante Stadt! | 17. bis 21. September 2021

Wunderschöne Sehenswürdigkeiten treffen auf ruhige Gegenden – so gegensätzlich und doch so im Einklang. Und stilvoll. Die Krawatte hat ihren Ursprung nicht etwa in Frankreich, sondern in Kroatien. Das um den Hals drapierte Tuch war ein Teil der Militäruniform. Als im Dreissigjährigen Krieg kroatische Soldaten, zur Unterstützung der Franzosen, nach Paris kamen, fand man dort am dem Kleidungsstück schnell Gefallen. Aus «à la Croate» entwickelte sich dann das Wort «Cravate» oder eben, Krawatte.

Dolac-Markt · Bauch der Stadt 

Der «Ban-Jelacic-Platz» ist mit Abstand der zentralste Ort Zagrebs. Am Samstags ist dort «Špicazeit». Es ist der Tag, um Markteinkäufe zu erledigen. Man hält einen Schwatz mit dem Lieblings-Produzenten und nachdem man seinen Einkaufskorb mit den frischen Lebensmitteln gefüllt hat, gönnt man sich im Anschluss einen Kaffee und beobachtet, möglichst fein herausgeputzt, die vorbeilaufenden Passanten. Dabei gilt das Motto: «sehen und gesehen werden». Das ist in Zagreb Tradition und als solche hat dieses Ritual einen eigenen Namen: Špica. Diesen Begriff gibt es nur in Zagreb. Das Charakteristische am «Bauernmarkt» sind seine roten Schirme. Sie schützen die Marktfrauen, die «Kumice», vor Sonne und Regen. Auch kamen wir – per Zufall in den Genuss eines kleinen «Fasnacht-Umzugs». Von Überallher erklingt Musik – es wird getanzt und gelacht. Einfach herrlich.

Kanonenschuss am Lotrščak-Turm

Es klingt verrückt – aber in Zagreb gibt es tatsächlich noch immer einen ehrenamtlichen Kanonier. Punkt 12:00 Uhr ertönt ein dumpfer Knall – Tag für Tag. Die Kanone befindet sich im «Lotrščak-Turm» und gibt quasi den Startschuss für das Leuten der Kirchenglocken in der Stadt. Eigentlich, denn dieses Spektakel ist im Moment nicht möglich – da Zagreb im März 2020 von einem starken Erdbeben heimgesucht wurde. Die Spuren davon sieht man noch immer und überall. Der Turm verzückte uns jedoch auch ohne «Knall».

Oberstadt

Das Steintor «Kamenita Vrata» an der Oberstadt ist ein mittelalterliches Stadttor, welches, nicht wahr, die Ober- mit der Unterstadt verbindet. 1731 zerstörte ein Grossbrand nahezu alle Holzgebäude in der Oberstadt. Das Gemälde der Jungfrau Maria im Obertor blieb jedoch wie durch ein Wunder heil. Heute steht dort eine Kapelle, wo Gläubige beten oder eine Kerze anzünden. Die Oberstadt «Gornji Grad» erreicht man mit der Standseilbahn «Uspinjača». Sie ist eine der steilsten und kürzesten Standseilbahnen der Welt. Zusammen mit dem Stadtkern «Kaptol» bildet die Oberstadt den älteren Teil Zagrebs. Auf dem «Kaptol Berg» thront die gewaltige Kathedrale «Maria Himmelfahrt». Sie wird auch als der «Dom vom Zagreb» genannt und gilt als nationales Kulturgut. Nicht zu übersehen ist der davor prägende «Madonnenbrunnen». Irgendwie waren wir immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und so kamen wir in den Genuss, zumindest einen Teil vom Wachwechsel des «Cravat Regiment», eine Ehrengarde von Zagreb, zu beobachten. Der Marsch führt von der Oberstadt zum Markusplatz – auf welchem die gleichnamige «St.-Markus-Kirche» steht. Diese mit dem aufwendig gestaltenden Dach mit seinen zwei Wappen kann man nicht übersehen.

Während dem 2. Weltkrieg diente der heutige 350 Meter lange Fussgängertunnel als Schutzbunker. Aktuell wird der «Grič-Tunnel» unter anderem als kultureller Veranstaltungsort genutzt – oder aber vorwiegend als Abkürzung, um vom einen zum anderen Ortsteil zu gelangen. Einen Hauch von Mystik, Nostalgie und Vergänglichkeit findet man bei der Ruhestätte «Mirogoj-Friedhof». Sie beeindruckt beim Hauptgebäude und die in die Parkanlage eingebetteten Gräber.

Gebirgszug Medvednica

Am Sonntag gönnten wir uns ein bisschen Erholung im Naherholungsgebiet mit Blick auf den «Jarun-See», auf welchem die Regatta statt fand, und im Hintergrund der «Gebirgszug Medvednica». Eine tolle Abwechslung und mal was anderes zum bunten Stadttreiben. So viel Natur macht hungrig. Im authentischen, schmucken Restaurant «La Štruk» schlemmten wir leckere «Štrukli». Was für eine Gaumenfreude. Das Traditions-Gericht ist ein köstliches Gebäck, gefüllt mit Hüttenkäse und Sauerrahm, wovon es verschiedene Variationen gibt. Ob mit Kürbis-Pesto, Trüffel – oder als Nachspeise mit Blaubeeren – uns schmeckte es vorzüglich. Läck waren wir «vollgefressen».


Doch nur Zagreb war der mittlerweile sehr verwöhnten Bauerntochter Ela nicht genug. Prinz Seebi blieb keine andere Wahl und er studierte die Landkarte so lange, bis er eine neue Stadt fand – welche den Ansprüchen seiner Herzdame vollumfänglich entsprachen. Voller Stolz präsentierte Prinz Seebi der Bauerntochter Ela das neue Unterkommen und zeigte ihr die bereits vormarkierte Route auf. Die neue Bleibe fand bei der Bauerntochter Ela gefallen und Prinz Seebi sattelte im gleichen Atemzug, voller Tatendrang und Vorfreude, das Pferd. Am darauffolgenden Tag führte ihre Reise nach Budapest wo die beiden vier wundervolle Tage verbrachten.


Budapest – vom malerischen Buda zum eleganten Pest | 21. – 25 September 2021

Budapest, die lebendige Hauptstadt Ungarns, besteht aus zwei Teilen. Östlich der Donau ist der grössere, neuere Teil «Pest» – westlich der Donau liegt der ruhigere, hügeligere, malerische und kleinere «Buda», über welchem neun imposante Brücken den Bogen spannen.

Budapest wird zurecht das «Paris» des Ostens» genannt und vor allem Nachts – wenn die Stadt hell erleuchtet ist, erscheint Budapest in vollem Glanz. Da kommt einem wirklich das Gefühl auf, Prinz und Prinzessin zu sein. *zwinker*

Budapest’s «top shots»

Budapest bei Regen – hat auch seinen Charme, aber natürlich nicht den gleichen, wie wenn die Sonne scheint. Aber von ein bisschen Nass liessen wir uns die Laune nicht verderben – wir sahen das Wetter als erste Challenge für unsere weiteren geplanten Etappen. Wie schon erwähnt, mangelt es in Budapest wahrlich nicht an historischen, beeindruckenden Gebäuden. Aber wo fangen wir nur an…

Das Parlamentsgebäude wiederspiegelt barocke und neugotische Charakterzüge – es ist eines der schönsten und berühmtesten Baudenkmäler von Budapest. Der Dreifaltigkeitsplatz ist der Standort der «Matthiaskirche» aus dem 13. Jahrhundert und der Türme der «Fischerbastei», die atemberaubende Ausblicke bietet. Die Matthiaskirche, mit ihren bunten Dach aus Pyrogranit-Ziegeln nimmt einem in den Bann. Der «Burgpalast», auch «Royal Palace» genannt, ist Ungarns grösstes Gebäude und überragt die Millionenmetropole – das Gebäude ist von allen Richtungen in seinem ganzen Ausmass zu erkennen. Das «Holocaust-Mahnmal» ist ein bewegendes Mahnmal. Die Skulptur «Little Princess» sitzt gemütlich auf dem Geländer der Budapester Donaupromenade. Die 50 cm kleine Prinzessin wurde vom Bildhauer «László Marton» geschaffen – welcher von seiner kleinen Tochter inspiriert wurde, da sie sich als Kind oftmals als Prinzessin verkleidete. Die «grosse Markthalle» ist ein Klassiker und ein archetonischer Juwel aus der Jahrhundertwende….

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Das Zentrum von Budapest ist die Margareteninsel. Man erreicht sie entweder mit dem längsten Tramwagen der Welt, der Linie 4 oder 6 – oder aber wie wir, zu Fuss. Unser Hostel lag direkt um die Ecke. Bereits auf der «Margaretenbrücke» geniesst man das atemberaubende Panorama mit Blick auf das Parlament sowie das Burgviertel. Unser Fokus war jedoch auf den Brunnen gerichtet. Wasserspiele in Begleitung von Musik. Von Oper bis Rock, unzählige Fontänen lassen das Wasser immer zur vollen Stunde dazu tanzen. Nach einem Spaziergang durch den wundervoll gepflegten Park gönnten wir uns einen echten ungarischen «Làngos». Ein Fladenbrot mit Sauerrahm, Knoblauch, Zwiebeln, Speck und Käse. Zugegeben – es gibt bekömmlichere Speisen, aber es schmeckte himmlisch! Mit der Strassenbahn-Linie Nr. 2 fuhren wir entlang dem Ufer der Donau. Sie ist die berühmteste Strassenbahnlinie, welche zwischen «Közvágóhíd» und «Jászai Mari tér» verkehrt – und ist zudem echt Retro. Und wenn wir schon dabei sind – hier noch etwas wissenswertes: Das Strassenbahnsystem wurde 1866 als Pferdebahn eröffnet und ab 1887 elektrifiziert.

Wellness-Time

Budapest ist die grösste Kurstadt Europas und es wäre ja wahrlich eine Schande, die Stadt zu verlassen, ohne vorher ein paar entspannte Stunden in einem der 21 Thermalbäder zu verbringen. Wir besuchten das «Széchenyi», die Anlage liegt im Stadtwald, verfügt über drei grosse Aussenbecken, 12 Innenbecken und hat die mit 75 Grad heissesten und tiefsten Quellen. Die Römer hatten bereits im 2. Jahrhundert 14 verschiedene Bäder eingerichtet – damals hiess die Stadt noch «Aquincum» und hatte den Status einer Provinzhauptstadt. Ja was sollen wir sagen – hmmm, also mit dem Thermalbad Hürlimann in Zürich hat es nicht viele Gemeinsamkeiten und die besten Jahre, ja die waren wohl zu Zeiten, als die Römer noch auf Besuch kamen. Macht nichts, wir genossen die paar Stunden auch so.


Nach so vielen märchenhaften Momenten fühlte sich Bauerntochter Ela wie die Prinzessin auf der Erbse. Es konnte nicht mehr genug sein von Ruhm und Adel und sie hatte das Gefühl, es geht noch mehr. Sie gönnte dem durch und durch entspannten Prinz Seebi keine Verschnaufpause und drängte ihn, das Pferd erneut zu satteln – denn sie setzte sich in den Kopf, noch am selben Tag, mit strammen Galopp, das Kaisertum Wien zu begehen.


Wien – eine Melange aus klassischer Eleganz und hiper Moderne | 24. – 27. September 2021

Wien ist bekannt für ihre Schlösser und die reich verzierten, barocken Bauwerke – welche die Altstadt schmücken. Aber auch wurde Wien zu einer der unfreundlichsten Städte weltweit gewählt. Dabei haben die Wiener einen richtig guten «Schmäh». «Da haut’s da den Beidl auf d’Seitn» → bitte diese Redewendung nicht mit Kindern googlen. *roti Bäggli* Also wir haben die Wiener und die imperiale, malerische Stadt von ihrer besten Seite kennen gelernt und sie hat unsere Herzen im Walzerschritt erobert.

Schnitzeljagd durch die Innenstadt

Das Wiener Schnitzel, welches wir uns inklusive einem Erdäpfelsalat am Ankunftstag gönnten, musste wieder weg. Bei einer Schnitzeljagd. Das einte Schnitzel hat jetzt mit dem anderen Schnitzel nicht viel am Hut – aber beides «mundete» uns auf seine eigene Art! Via «Ryddle» buchten wir unsere Schnitzeljagd und so erkundschafteten wir auf spielerische Art und Weise das facettenreiche Wien. Wir erfuhren nebenbei viel über die Geschichte, wissenswerte Fakten und wurden durch die eine und andere schöne Seitengasse oder beindruckenden Hinterhof gelotst. Start war das «Liebenberg-Denkmal», welches anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der erfolgreichen Verteidigung Wiens gegen die Türken 1683 zu Ehren des damaligen Bürgermeisters, Johann Andreas von Liebenberg, errichtet wurde. Es symbolisiert das liberale Wiener Bürgertum. Vorbei an der früheren Wohnung des Komponisten Ludwig von Beethoven ging es zu weiteren Highlights – von welchen wir euch ein paar auserlesene prunkvolle Prachtstücke nicht vorenthalten wollen.

Der «Stephansdom» ist eines der Wahrzeichen der Stadt und wird von den Einheimischen liebevoll «Steffl» genannt. Der Südturm ist 136 Meter hoch und es hangen insgesamt 13 Glocken an ihm. Die «Pummerin» ist die zweitgrösste freischwingend geläutete Kirchenglocke Europas. Sehr markant sind jedoch die insgesamt 230’000 bunten, im Zickzack verlaufenden Ziegel, die das Kirchendach schmücken. Am symbol- und geschichtsträchtigen «Heldenplatz» wurden mehr als sieben Jahrhunderte lang das Habsburgerreich von der prachtvollen «Hofburg» aus regiert und seit 1945 ist sie der Amtssitz des Bundespräsidenten. Mit 24 Hektar ist er einer der grössten nichtreligiösen Gebäudekomplexe Europas. In der Hofpfarrkirche «St. Augustin» heiratete schon Kaiser Franz Joseph seine Sisi, Napoleon seine Marie Louise und noch viele andere adlige Habsburger. Um 1350 war auf dem Areal des heutigen «Lobkowitzplatz» ein Viehmarkt und Schlachtplatz für Schweine. Dieser Schweinemarkt diente im späten Mittelalter auch als Richtstätte, vor allem für Enthauptungen und Verstümmelungen. Ganz schön «grüselig» diese Vorstellung. Wer uns kennt weiss, dadurch liessen wir uns den Appetit nicht verderben – und eine «deftige» Sachertorte versüsste uns den restlichen Nachmittag.

Kaiserlich leben · zumindest für ein paar Stunden

Das «Schloss Schönbrunn» ist ein absolut beeindruckender Palastbaut aus der Barockzeit. Kaiser Franz Joseph und seiner Sisi standen insgesamt 1’441 Räume zur Verfügung. Elas erster Gedanke: «Oh Gott, bis man da in jedem Zimmer Staub gewischt hat – und die Fenster…!!» Wir gönnten uns ein paar Stunden – um durch die 45 original ausgestatteten kaiserlichen Prunk- und Wohnräumen zu schlendern, und in die Spuren der Kaiserzeit einzutauchen. Was denn nun, Sisi oder Elisabeth? Sisi ist die Kurz- und Koseform von Elisabeth – «tärää», Rätsel gelöst. Der imposante Palast mit seiner endlosen Parkanlage beeindruckt und fasziniert. Und man bekommt einen echten Eindruck, wie Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth residierten. Am Nachmittag besuchten wir ein weiteres, echtes Highlight, der «Wiener Naschmarkt». Dieser liegt am Rande der Wiener Altstadt – eingebettet zwischen zwei Strassen und ist berühmt für seine opulente Vielfalt. Dieser 200 Jahre alter Markt lässt wirklich alle Feinschmecker-Herzen höher schlagen.

Überall in der Stadt liegt Musik in der Luft, Kaffee-Wolken, Apfelstrudel- und Sachertorten-Düfte «lullen» einem ein und die zweispännigen Kutschen «Fiaker» sind nicht wegzudenken. Ganz schön kitschig dieses Wien.


Alles hat eine Ende und zwischenzeitlich ist das Interrail-Ticket Geschichte – aber Bauerntochter Ela und Prinz Seebi leben noch immer vergnügt zusammen. Sie haben mittlerweile ihr Interrail-Pferd gegen einen Renault Captur getauscht – mit welchem sie nun Dänemark unsicher machen. Und wenn sie nicht gestorben sind – dann leben sie noch heute….!! 

Doviđenja · Viszontlátásra · Wiederschaun & viele «Dröööckerlis»
Möchtegern «Kaiserin Sisi» Ela & «Habsburger Herrscher Franz» Seebi

4 Kommentare zu „Zagreb, Budapest, Wien – märchenhaft

  1. Isch wieder interessant gsi, de Apfelstrudel hät mi au gluschtet. Es git nid überall de echti Strudel z. B. im Südtirol hets scho mit Bisquitteig gä. Lg dis Gotteli Trudi

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